Horizonte gGmbH

Historie

Die jüdischen Familien Cohn, Bucky und Levy prägten über Jahrzehnte das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der Stadt Altenburg. 1890 begann mit der Eröffnung eines Geschäftes für Weißwaren und Posamenten am Standort Markt 23 durch Marianne und Selma Cohn eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte in Altenburg. 1894 heiratete der in Leipzig geborene Sally Bucky, der als Kaufmann im Geschäft der Cohns beschäftigt war, die Kauffrau Marianne Cohn. 1898 wechselte das (nunmehr gemeinsame) Geschäft nach einer Sortimentserweiterung in das Gebäude Markt 15. 1900 wurde Sally Bucky Inhaber des Geschäftes und 1901 wurde im Handelsregister auf seinen Antrag hin das "Kaufhaus M. & S. Cohn" eingetragen. Der Firmensitz war die Sporenstraße 2.

In den weiteren Jahren konnten durch den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens die Gebäude Sporenstraße 3 - 6 und das Gebäude Hinter der Waage 4 zum Zwecke der Geschäftserweiterung erworben werden. Das Kaufhaus war 1930 mit 160 Angestellten das größte in Altenburg, die Familien Cohn, Bucky und Levy in der Stadt sehr angesehen.

Albert Levy, nach dem seit 1990 im Stadtteil Altenburg-Nord eine Straße benannt ist, trat 1913 als Geschäftsführer des Kaufhauses seine Dienste an, nur ein Jahr später heiratete er Franziska, die Tochter von Marianne und Sally Bucky.

Die Großfamilie lebte in dem 1920 erworbenen Gebäude Bismarckstraße 2 (heute Rudolf-Breitscheid-Straße). An ihrem wirtschaftlichen Erfolg ließ die Familie auch zahlreiche Altenburger teilhaben. Neben der Unterstützung von Bedürftigen und kinderreichen Familien kam auch das Landestheater in den Genuss erheblicher Zuwendungen.

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten ließ für die Familie nichts Gutes ahnen. Obwohl der verordnete Boykott jüdischer Geschäfte in Altenburg 1933 nicht den von Nazis gewünschten Erfolg hatte, wurde das Leben für die Familie immer schwieriger. 1936 wanderten die ersten Familienmitglieder nach Südafrika aus, 1938 entkam Franziska Levy in die Niederlande, von wo aus sie auch die Übersiedlung der anderen Familienmitglieder vorbereitete. Sally Buck und Albert Levy mussten ihr Kaufhaus "arisieren" lassen und alle jüdischen Angestellten entlassen. Auch das Wohnhaus der Familie blieb nicht verschont - in der Pogromnacht 1938 wurde die Familie am Frühstückstisch überrascht. Die zerschlagene Einrichtung war dabei das geringste Übel: Sally Bucky, Albert Levy und Schwiegersohn Fritz Leiser wurden durch die Stadt geschleift. Lediglich Sally Bucky kehrte am Abend blutverschmiert zurück. Die anderen beiden Familienmitglieder wurden in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Albert Levy wurde nur unter der Bedingung aus dem KZ entlassen, sein Haus in der Bismarckstraße abzugeben.

Die restlichen Familienmitglieder hofften derweil, in der Nähe von Amsterdam vor der Verfolgung durch die Nazis sicher zu sein. Der Überfall Hitlerdeutschlands auf die Niederlande im Jahr 1940 machte aber auch diese Hoffnung zunichte. Sally Bucky verstarb 76-jährig noch im selben Jahr im niederländischen Exil. 1944 wurden Marianne Bucky (damals 80-jährig und fast erblindet), Franziska und Albert Levy sowie deren Töchter Lore und Renate nach Auschwitz verschleppt und umgebracht.

Nach Kriegsende blieben alle Bemühungen der Überlebenden erfolglos, die faktisch enteigneten Grundstücke zurück zu erhalten. Erst nach der Wiedervereinigung Deutschlands kam wieder Bewegung in die Eigentumsproblematik. Nach langwierigen Verhandlungen erhielt die Familie das Wohnhaus in der Rudolf-Breitscheid-Straße zurück. Statt es anschließend zu verkaufen, war sich die Familie einig, es dem Evangelisch-Lutherischen Magdalenenstift zu schenken. Mit der Schenkung war die Bedingung verknüpft, das Haus einem wohltätigen Zweck zukommen zu lassen. Mit der Einrichtung eines Übergangswohnheims für chronisch psychisch Kranke im Jahr 1999 wurde diesem Anliegen Rechnung getragen. Die feierliche Einweihung mit der Namensgebung "Marianne-Bucky-Haus" war ein wichtiger Schritt, das Wirken der verdienstvollen Familie zu würdigen.

Quelle historische Daten: Beitrag von Eberhard Heinze in der Broschüre "Das Marianne-Bucky-Haus in Altenburg"

www.cohn-bucky-levy.de

www.christian-repkewitz.de


Filmtipp!

In dem Film ist Laureen Levy auf der Spurensuche zu ihrer Ur-Großmutter Franziska („Fränzi“) Levy. Franziska Levy hat im Marianne-Bucky-Haus gelebt und wurde schließlich in Ausschwitz ermordet. Einige Aufnahmen zu diesem kurzen Film wurden im Sommer 2015 im Marianne-Bucky-Haus gedreht – sehen Sie hier:


http://www.mygrandmotherssittingroom.com

Festveranstaltung 150 Jahre Marianne Bucky mit Buchpräsentation

Hier können Sie das Grußwort von Laureen Levy (Ur-Enkelin) nachlesen.

Bildergalerie Festveranstaltung